Pilotprojekt Aalen: Wie entsteht legale MTB-Infrastruktur im Staatswald – von der ersten Abstimmung bis zum fertigen Trail? Ein Themenforum über kooperative Trailentwicklung, Gestaltungsprinzipien und die offenen Fragen danach.
Der diesjährige Mountainbike-Kongress führt uns nach Aalen auf die Ostalb – in eine Region, in der in den vergangenen Jahren intensiv an der Entwicklung offizieller Mountainbike-Infrastruktur gearbeitet wurde und die heute als greifbares Beispiel für kooperative Trailentwicklung steht.
Aalen ist Teil des ForstBW-Konzepts „Mountainbiken im Staatswald" und zählt zu den Regionen, in denen im Rahmen eines Pilotprojekts offizielle Singletrails im Staatswald entwickelt, abgestimmt und legalisiert wurden. Was heute als fertige Strecke im Wald liegt, ist das Ergebnis eines Prozesses, der vor über sieben Jahren mit einem Runden Tisch begann – aufgenommen von der Stadt Aalen und über Jahre hinweg in enger Abstimmung mit ForstBW, Naturschutzbehörden, Vereinen und weiteren lokalen Akteuren weiterentwickelt.
Dieser Weg war nicht immer geradlinig. Das Pilotprojekt zeigt exemplarisch, welche Herausforderungen entstehen, wenn unterschiedliche Anforderungen an den Wald – Freizeitnutzung, Naturschutz, Waldbewirtschaftung und Verkehrssicherheit – in Einklang gebracht werden müssen. Wie übersetzt man Mountainbike-Fachsprache in behördlich akzeptierte Planungssprache? Wie gestaltet man einen Trail so, dass er dem Faulheitsprinzip folgt – also so attraktiv ist, dass Wildbau schlicht unattraktiv wird? Und wie bindet man eine Bikecommunity konstruktiv in den Bauprozess ein, ohne das Ehrenamt dauerhaft zu überlasten?
Das Themenforum am Nachmittag greift genau diese Fragen auf – und stellt ihnen die konkreten Antworten gegenüber, die Aalen in der Praxis gefunden hat.
Die Antworten, die Aalen darauf gefunden hat, sind keine universellen Rezepte – aber sie sind konkret, erprobt und direkt vor Ort sichtbar. Die entwickelten Trails folgen klaren Gestaltungsprinzipien: natürliche Materialien, waldtypische Hindernisse, kreative Linienführung, die mitwachsen kann. Das Bauleiterprinzip – kleine Gruppen, klarer Wissenstransfer, Gestaltungsraum für Ehrenamtliche – hat sich als tragfähiges Modell für die Umsetzung erwiesen.
Linus Ott von der Trailmanufaktur Ostalb e.V. und Simon Gökeler von ForstBW berichten aus ihren jeweiligen Perspektiven – wie der Prozess in Aalen verlaufen ist, wo er heute steht und was die entscheidenden Momente waren. Im Anschluss werden gemeinsam mit den Teilnehmenden einzelne Schlüsselfaktoren vertieft, die sich aus dem Aalener Prozess als übertragbar herauskristallisiert haben: die Frage nach Bedarfsermittlung und Zielgruppenanalyse, der Weg zur Einigung und zum ersten genehmigten Trail, sowie die strukturellen Voraussetzungen für einen dauerhaften Betrieb.
Linus Ott
Bauleitung · Trailmanufaktur Ostalb e.V.
„Legale Trails entstehen nicht durch Genehmigungen allein – sie entstehen, wenn ein attraktives Angebot geschaffen wird, das Wildbau schlicht unattraktiv macht. In Aalen haben wir gelernt: Wer das erreichen will, braucht ein klares Bild davon, wer den Wald wirklich nutzt, eine Bauweise die Forst und Naturschutz überzeugt, und eine Community die nicht nur hilft, sondern mitgestaltet.”
Simon Gökeler
Forstbezirk Östliche Alb | Waldnaturschutz & Waldpädagogik · Forst BW
„Der Wald wird von immer mehr Nutzungsinteressen beansprucht – das steigende Interesse am Mountainbiken ist dabei nur eines davon. Solange legale Angebote fehlen, entsteht zwangsläufig illegale Befahrung, die zu Konflikten im Naturschutz, bei der Waldbewirtschaftung und mit anderen Waldbesuchenden führt. Unsere Erfahrung in Aalen zeigt: Wer das ändern will, braucht klare Ansprechpartner, gute Kommunikation und die Bereitschaft zum Kompromiss – denn der Wald erfüllt viele Funktionen gleichzeitig.”